Was treibt uns zum Handeln an?

12.10.2017

Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: Unser Handeln ist geprägt von unseren Bedürfnissen, von lange gepflegten Gewohnheiten, von Wünschen und Hoffnungen, aber auch von äußeren Faktoren wie Belohnungen. Oft stehen hinter unseren Handlungen und Entscheidungen unbewusste Muster und Prozesse, früh erworbene und verinnerlichte Lebensregeln, die zu automatischen Verhaltensweisen geführt haben. Sie sind zunächst einmal nützlich, weil wir damit schnell reagieren können, manchmal werden sie aber auch von uns selbst oder unserer Umwelt als unangemessen empfunden. Das geht uns im Privatleben so, aber auch als Führungskräfte sind wir davon nicht verschont.

Vor allem in Stress- und Belastungssituationen schieben diese inneren Antreiber - wie sie in der Transaktionsanalyse genannt werden - in den Vordergrund.

 

Die Transaktionsanalyse spricht von fünf Antreibern:

 

Sei stark!

Hier folgen wir inneren und äußeren Ideen wie: Ich komme allein zurecht. Mich kann nichts so schnell aus der Fassung bringen. Nur keine Gefühle zeigen! Mach dich auf das Schlimmste gefasst! Am besten die Zähne zusammenbeißen!

 

Sei perfekt!

Der Sei-Perfekt-Antreiber rät uns: Mach auf keinen Fall Fehler! Die Arbeit ist nur gut, wenn du sie gründlich und fehlerfrei erledigst! Schlamperei geht gar nicht! Man kann immer etwas verbessern...

 

Mach es allen recht!

Hier fällt es uns schwer, nein zu sagen. Es ist wichtiger, akzeptiert zu werden, als eigene Interessen durchzusetzen - oder oft auch nur auszusprechen. Hauptsache, es geht harmonisch zu und es gibt keinen Streit. Sei zu allen freundlich und hilfsbereit!

 

Beeil dich!

Beeil-dich-Angetriebene sind ständig in Bewegung. Sie haben immer zu tun, sind immer auf dem Sprung und in Eile. Sie fühlen sich als Vorantreiber, als Macher. Es darf keine Zeit verschwendet werden. Alles hat schnell zu gehen.

 

Streng dich an!

Niemals aufgeben ist das Motto! Nur wenn es schwer geht, ist es gut. Reiß dich zusammen, dann erreichst du das Ziel. Ich muss es schaffen - auch ohne die Hilfe anderer.

 

 

Innere Antreiber stehen eigentlich für positive Eigenschaften.

 

Eigenschaften, die wir im Leben gut brauchen können. Für Genauigkeit und Zuverlässigkeit, für Freundlichkeit und Entgegenkommen, auch für Schnelligkeit und Durchhaltevermögen. Wenn wir diese hilfreichen Ansätze aber übertreiben, werden sie für uns selbst, aber auch für unsere Umwelt zur Belastung. Wir haben aus ihnen unbewusst innere unrealistische Überzeugungen entwickelt, die uns in unseren Handlungen einschränken. Wir sind beispielsweise überzeugt davon, dass es unverzeihlich ist, Fehler zu machen, dass wir niemals Zeit vergeuden dürfen, dass wir von allen gemocht werden müssen oder niemals eine Schwäche zeigen dürfen. Der Anspruch des Antreibers an unser Leben wird absolut - und in dieser Absolutheit ist er nicht mehr erfüllbar.

 

 

Wie werden wir diese Muster und inneren Antreiber los?

 

Jeder der fünf Antreiber folgt einer eigenen Dynamik. Meist „haben“ wir nicht nur einen davon, sondern eine Mischung aus mehreren. Oft lässt sich jeodch ein Hauptantreiber identifizieren, der uns das Leben besonders schwer macht.

 

Zunächst einmal gilt es, sich die eigenen Verhaltensweisen und Glaubenssätze bewusst zu machen und sie zu analysieren. Welche Hinweise auf innere Antreiber finde ich in meiner Sprache? In meinen Gedanken? Im Feedback, das ich von anderen erhalte?

In welchen Situationen tauchen sie vor allem auf?

 

Im nächsten Schritt können wir uns selbstkritisch mit unseren Antreibern auseinandersetzten und uns bewusst machen, welche Verhaltensweisen in welchem Maß sinnvoll sind und wo wir sie übertreiben.

 

Schließlich können die alten Antreiber-Dynamiken Schritt für Schritt durch neues Verhalten ersetzt werden.

 

Ein Perfektionist wird einerseits seine Gründlichkeit und Genauigkeit zu schätzen wissen, aber auch erkennen, wo Perfektionismus und Übertreibung hinderlich sind. Aufgabe wird es sein, zu erkennen, dass er auch Fehler machen darf. Dass er trotzdem gut genug ist, liebenswert und wertvoll ist und seine Leistung anerkannt wird.

 

Der Mach-es-allen-recht-Antreiber könnte erkennen, dass auch seine eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse für ein gelingendes Miteinander entscheidend sind. Er könnte lernen, einmal Nein zu sagen. Letztlich gilt es, die eigenen Konturen zu schärfen, das eigene Profil besser herauszuarbeiten und zu kommunizieren.

 

Sei-stark-Menschen sind in der Lage kurzfristig außerordentliche Leistungen zu vollbringen. Sie sprühen vor Widerstandskraft und Kampfgeist. Ihnen wird es gut tun, zu erfahren, dass sie ihre Gefühle zeigen dürfen, offen sein dürfen ohne das Gesicht zu verlieren und - wenn nötig - auch um Hilfe bitten dürfen.

 

Menschen mit einem Beeil-dich-Antreiber sind oft Hektiker. Sie sprechen rasend schnell und abgehakt, vielfach sind sie auf hohem Niveau leistungsfähig. Ihnen könnte es helfen, ihre Übertreibung zu relativieren, wenn sie lernen Pausen zu machen und einen Rhythmus zu finden. Wenn sie lernen, dass sie sich entscheiden können, ob sie schnell oder langsamer vorgehen.

 

Der Streng-dich-an-Antreiber bewirkt oft Durchhalten-Können, mit Beständigkeit und Ausdauer ein Ziel verfolgen können. Diese Menschen sind da, wenn sie gebraucht werden. Aber sie stehen unter einem enormen inneren Druck, der sich in verspannten Muskeln und bemühtem Sprechen zeigt. Ein Streng-dich-an-Antreiber könnte erkennen, dass Arbeit auch Freude machen kann, dass sie leicht von der Hand gehen und mit Gelassenheit erledigt werden kann. Auch über kleine Fortschritte kann man sich freuen.

 

Das Konzept der inneren Antreiber stammt aus der Transaktionsanalyse

Quelle:

vgl.: Kahler, Taibi (1977). Das Miniskript. In: Barnes, G. et al: Transaktionsanalyse seit Eric Berne, Bd. 2, S. 91-132.

vgl.: Kälin, Karl; Müri, Peter (2000): Sich und andere führen. Psychologie für Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 13. Aufl. Thun: Ott.

vgl.: Köster, Reinhard (1999).Von Antreiberdynamiken zur Erfüllung grundlegender Bedürfnisse, Zeitschrift für Transaktionsanalyse in Theorie und Praxis 4/1999, S.145–169.

vgl.: Schmid, Bernd; & Hipp, Joachim & Caspari, Sabine (1999). Intuition in der professionellen Begegnung. Zeitschrift für systemische Therapie, Heft 2 April 1999, S. 101-111

vgl.: Schmid, Bernd & Hipp, Joachim (1999). Antreiber-Dynamiken – Persönliche Inszenierungsstile und Coaching. Zeitschrift für systemische Therapie, Heft 2 April 2001, S. 82-92.

Foto: www.pixabay.com

 

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